• Vom „Flüchtlingskind“ zum Jugend-Aktivisten – Maluals Geschichte

    Würdenträger, Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft, Jugendleiter, und Change-Makers ­– sie alle schauen auf den jungen Mann, der vor der Flagge der Vereinten Nationen steht. Ehrlich und leidenschaftlich spricht er über sein Leben und dessen Entwicklung. Ein Leben als Flüchtlingskind, das geprägt war von Umbrüchen und Unsicherheit. Das ihn aber auch zu dem machte, was er heute ist:  Ein anerkannter und angesehener globaler Jugendleiter, der den Wandel für junge Menschen in Afrika vorantreibt. Ein Wandel, der vor allem durch Spiel motiviert, geleitet und vorangetrieben wurde. Dies ist das Leben von Malual Bol Kiir.

    Paula_Web_Banner_Large.png Malual erhält die ehrenurkunde „Voices of Courage Award 2017" der Frauen-Flüchtlingskommission von Chelsea Clinton

    Mulual: Gründer eines friedensfördernden Jugend-Aktionsnetzwerks

    Als Kind nahm Malual an den spielbasierten und kindzentrierten Programmen von Right To Play teil. Heute ist er mit 23 Jahren der Gründer des friedensfördernden afrikanischen Jugend-Aktionsnetzwerks „African Youth Action Network, AYAN". Dieses gilt heute weltweit als führendes Netzwerk der Jugendbewegung. Beim Treffen der Vereinten Nationen in Genf spricht Malual zu allen Kindern und Jugendlichen dieser Welt. Er möchte ihnen die Bedeutung und ihrer Stimme, ihrer Meinung verdeutlichen und wie jeder Einzelne sein Leben mit Hoffnung und Richtung füllen kann.

    „Right To Play hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin", stellt Malual fest, „Als Überlebender des Krieges ist es heute mein Traum, ein Anwalt für die Menschenrechte zu werden und Botschafter für Frieden zu sein. Ich wurde damals von Right To Play inspiriert, Führung zu übernehmen. Heute verwenden wir [AYAN] ähnliche Methoden, um beispielsweise Streitschlichtersitzungen in Flüchtlingslagern in Uganda zu organisieren. Dort arbeite ich mit Sport- und Musikfestivals, um Flüchtlinge zu ermutigen, sich auf unser kollektives Schicksal zu konzentrieren und nicht nur auf das individuelle."

    Das Leben als Flüchtlingskind

    Malual war erst sieben Jahre alt, als er, seine Mutter und sein jüngerer Bruder im Jahr 2001 vor dem Bürgerkrieg in ihrem Heimatland Südsudan flohen. Sie mussten alles, was sie besaßen und alle, die sie kannten, zurücklassen. Die Flucht dauerte Tage. Zuerst flohen sie in einem Frachtflug, später verbrachten sie Stunden stehend auf der Ladefläche eines Lastwagens.

    Als sie endlich im Invepi-Flüchtlingslager in Yumbe, im nördlichen Uganda, ankamen, war Malual erschöpft und hungrig. Er hatte gehofft, dass der Kampf seiner Familie hier ein Ende hat. Stattdessen befand er sich inmitten von Chaos. „Es war schwierig, mit so viel Lärm und unangenehmen Belästigung seitens der Beamten konfrontiert zu werden und gleichzeitig ein neues Leben aufzubauen", berichtet Malual. Alltägliche Aufgaben zu erledigen, wie Brennholz und Wasser zu holen, war aufgrund der begrenzten Ressourcen extrem schwierig. In Mitten dieser Umstände Freunde zu finden, schien unmöglich. "Wir konnten uns auch nicht mit Leuten aus anderen Stämmen unterhalten, da wir ihre Sprachen nicht kannten", erklärt Malual.

    Spielen: Maluals Lichtblick im Flüchtlingslager

    Die Schule wurde zum Zufluchtsort des Jungen. Obwohl er mit der Sprachbarriere zu kämpfen hatte, machte Malual große Fortschritte im Unterricht. Auf Empfehlung seines Lehrers traf er sich mit dem Right To Play-Team.

    Es sei sehr aufreget gewesen, dass der Klassenlehrer ihn zu Right To Plays Programmen einlud – wie ein Lichtblick in einem sehr dunklen Moment. Dies war das erste Mal in seinem jungen Leben, dass er sich geschätzt und gewürdigt fühlte. Die Right To Play-Aktivitäten füllten Malual mit Hoffnung und halfen ihm, sich nicht mehr nur als Flüchtling zu sehen, sondern als einen selbstbewussten und wertgeschätzten jungen Mann.

    Malual erinnert sich gerne daran, wie er dank der Teilnahme an Right To Plays Programmen Führungsqualitäten und Durchsetzungswille lernte. Die Lieder und Spiele brachten ihn auf andere Gedanken. Er konnte seine Ängste und Spannungen vergessen und lernte, ohne Worte zu kommunizieren, - endlich empfand er Gemeinschaftsgefühl und Zugehörigkeit zu den anderen Flüchtlingskindern!

    „Die Playdays waren die besten Tage meines Lebens - wir haben gesungen, getanzt, gespielt und erhielten leckeres Essen - Ich habe Vergebung und Toleranz gelernt", sagt Malual, "wenn ich als Kind nicht an diesen Aktivitäten teilgenommen hätte, wäre ich standesgemäß gegen den Frieden gewesen. Ich habe gelernt, nur das Team ist wichtig. Wir wurden Brüder und vergaßen, dass wir aus verschiedenen Stämmen kamen. Wir haben gelernt, als Team zu gewinnen und dass es egal ist, woher die einzelnen Mitglieder kommen."

    Im Jahr 2013 kehrten er und seine Familie in den Südsudan zurück, wo sie erneut gezwungen wurden, zu fliehen und wieder Zuflucht im Uganda suchten. Dies war der Moment als er die Auswirkung von Right To Plays Programmen realisierte.

    Right To Plays Einfluss - Vergebung, Frieden und Akzeptanz

    "Da ich erneut mit den gleichen Umständen konfrontiert war, erinnerte ich mich sofort an die Dinge, die ich als Kind von Right To Play lernte", erklärt Malual. „Unser Volk ist nur geteilt, weil wir aus verschiedenen Stämmen kommen. Dabei wäre gerade Toleranz ein wesentlicher Baustein für den Frieden. Ich wollte teilen, was ich gelernt hatte und dadurch zum Wiederaufbau unseres Landes beitragen!"

    Um seine Kenntnisse und Fähigkeiten zu teilen, suchte Malual den Kontakt zu mehreren Jugendlichen, die er damals durch die Programme kennenlernte. Mit seiner Überzeugung gründeten sie die AYAN, eine Interessengruppe für junge Flüchtlinge. Jugendliche können darin ihre Gedanken und Ideen teilen, sowie ihre Rechte und Führungsqualitäten erlernen.

    „Alle meine Kollegen kommen ursprünglich aus verschiedenen Stämmen; wir sind Nuer, Dinka und Äquatorial, ein Spiegel des Südsudans", sagt Malual, „statt ebenfalls Konflikte herbeirufen, funktionieren wir als Team. Wir lernen Toleranz, Ausdauer und Diversität. Wir sind alle Flüchtlinge und es gibt keinen Grund, warum wir uns unterscheiden sollten."

    Maluals Zukunft

    Mit der Unterstützung des UNHCR und durch die Führung von Malual setzt die AYAN friedensfördernde Projekte in Flüchtlings- und Siedlungslagern in ganz Uganda um. Malual ist in seinem letzten Jahr des Jurastudiums und erhielt vor Kurzem den „Voices of Courage Award 2017" der Frauen-Flüchtlingskommission von Chelsea Clinton überreicht. Hätte Right To Play sein Leben nicht beeinflusst, wäre er heute ein Soldat, der im Südsudan-Krieg kämpft, davon ist Malual überzeugt.

    „Ich wäre wie alle Jugendlichen gewesen, die von Politikern benutzt werden, um endlose Kriege zu kämpfen und hätte somit auch für meinen Stamm gekämpft", erklärt Malual, „stattdessen setze ich mich für Frieden ein und überzeuge täglich junge Leute, die Lösung zu sein und nicht Teil des Problems."


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