• Baara’s Traum im Flüchtlingscamp Al Baqa‘a

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    Baraa senkt den Kopf, um die grelle Sonne zu vermeiden. Die 14-jährige ist auf dem Weg von der Schule nach Hause. Ihr Weg ist gezeichnet von einer Reihe von Links- und Rechtskurven, wobei jede Straße genauso so aussieht wie die nächste. Sie unterscheiden sich lediglich durch die verschiedenen Graffitis an den Mauern der Häuser. Da es keine Grünflächen oder Spielplätze gibt spielt sich hier das Leben ab: Vier Jungs unterhalten sich laut, während sie einen zerrissenen Drachen flicken. Ein vierjähriges Mädchen schlurft in den Schuhen ihrer Mutter vorbei, während eine Handvoll junger Männer lautstark Ball spielen – Alltag im Flüchtlingscamp Al Baqa'a.

    Baraas Zuhause: Flüchtlingslager Al Baqa'a in Jordanien

    Seit 1948 ist das Flüchtlingslager Al Baqa'a mit seinen belebten Straßen das zu Hause von tausenden von Kindern. Baraa und ihre neun Geschwister sind palästinensische Flüchtlinge der dritten Generation, geboren und aufgewachsen in den Zementmauern des Camps. Es ist das älteste Flüchtlingslager in Jordanien - in dem hauptsächlich palästinensischen Flüchtling untergebracht sind. Seit fünf Jahren ist es jedoch auch zunehmend Heimat für Syrer, die wegen des vorherrschenden Bürgerkrieges in ihrem Land fliehen. Heute leben 350.000 palästinensische und 50.000 syrische Flüchtlinge in den 1,4 Quadratkilometern des Camps. Fünfzig Prozent davon sind Kinder. Hier aufzuwachsen ist nicht einfach, besonders nicht für Mädchen.

    "Die Kinder leben unter harten Bedingungen", bestätigt Qusai, der Projektleiter vom einem Implementierungspartner von Right To Play Jordanien. "Es gibt keine Möglichkeiten, um Kinder und Jugendliche zu beschäftigen und auch keine Bildungsmöglichkeiten. Und selbst wenn es sie gäbe, so würden die meisten Mädchen nicht teilnehmen dürfen."

    Baaras Eltern sind eine Ausnahme – Baara darf Sport treiben

    Viele Bewohner des Lagers folgen sehr traditionell, kulturellen Bräuchen, wie der Verheiratung von Mädchen im Jugendalter und verbieten Mädchen das Spielen und Sporttreiben außerhalb der Familie. Baraas Familie ist eine der wenigen Ausnahmen. Wenn Baraa mal nicht draußen auf der Straße spielt, erlauben ihre Eltern ihr, am Supreme Committee für Legacy & Delivery 'Generation Amazing' Programm teilzunehmen. Gleichaltrige treffen sich dabei dreimal die Woche im Yarmouk Community Center, um gemeinsam zu spielen und Sport zu treiben.

    Generation Amazing – Damit Kinder und Jugendliche ein Ort zum Spielen haben

    Das Generation Amazing-Programm nutzt Fußball, um die Kinder des Camps in außerschulischen, spielbasierten Lernaktivitäten zu integrieren. Die Trainer, die alle von Right-Play in spielbasierten und kindzentrierten Lernansätzen trainiert werden, nutzen Fußballübungen wie Dribbeln und Passen, um die Mädchen und Jungen soziale Kompetenzen, wie Teamwork, Akzeptanz und Kooperation zu vermitteln und ein Bewusstsein für Integration und Gleichstellung der Geschlechter zu schaffen, indem Jungs sowie Mädchen gleichermaßen motiviert werden mitzumachen.

    "Im vergangenen Jahr, als wir dieses Programm anfingen, sind wir zunächst davon ausgegangen, dass keine Mädchen mitmachen würden", so Qusai. "Also sprachen wir mit den Eltern in der Gemeinde und ermutigten diese, ihre Töchter mitmachen zu lassen. Zu Beginn war es sehr mühselig, aber sobald die Eltern sahen wie ihre Kinder an Vertrauen, Respekt und Selbstwertgefühl gewannen, vertrauten die Eltern uns nach und nach mehr und erlaubten ihren Töchtern sich zu beteiligen. "

    Derzeit nehmen mehr als 500 Mädchen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren und ebenso viele Jungen am Programm teil. Trotz geschlechtsspezifisch getrennter Teams, haben alle Spaß, sind engagiert und lernen, dass Mädchen die gleichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Jungs besitzen. "Ich habe noch nie zuvor richtig in einem Team Fußball gespielt", sagt Baraa. "Aber mein Trainer hat uns gesagt, dass es okay ist, dass Mädchen Fußball spielen und dass es keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gibt."

    Geführte Diskussionen nach den Spielen helfen den Kindern erlebtes mit ihrem Alltag zu verbinden

    Wie in allen Right To Play Programmen wird nicht nur gespielt, sondern auch diskutiert. Gemeinsam mit den Trainern, sprechen die Kinder über kulturelle Erwartungen. Beispielsweise warum von Mädchen erwartet wird nach der Schule direkt nach Hause zu kommen und es ihnen im Gegensatz zu den Jungs nicht erlaubt ist auf der Straße Fußball zu spielen. Für die meisten Kinder ist es das aller erste Mal, dass sie aufgefordert werden, ihre Meinungen über die Gleichstellung der Geschlechter zu teilen und man merkt, wie dies das Selbstvertrauen der Kinder stärkt.

    Die Kommunikation innerhalb einer Gruppe ist ein wesentlicher Bestandteil des spielbasierten Lernens. Wenn die Kinder die Spiele, die sie gespielt haben und die Lektionen, die sie beim Spielen gelernt haben reflektieren, verbinden sie diese Informationen mit ihren eigenen Erfahrungen und können diese in ihrem täglichen Leben anwenden. Eine aktuelle Umfrage zeigt den Erfolg, Kinder und Jugendliche, die am Generation Amazing-Programm in Al Baqa, teilnehmen erzielen 83% im Bereich „Selbstentfaltung“ - am Anfang des Programmes waren es nur 11%.

    Baraa berichtet: "Als ich anfing, Fußball zu spielen, erkannte ich, dass ich genauso gut spielen konnte wie die Jungs, und ich begann zu sehen, dass niemand besser ist als jeder andere. Zunächst war es mein einziges Ziel ein Tor zu erzielen, aber jetzt will ich eine professionelle Fußballspielerin werden und eine Kunstlehrerin.“

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